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Alternative Bewegungsformen im Gebirge
Visp ist vielen deutschen Touristen hauptsächlich als "Einfallstor"
zu den noblen Wintersport-Orten Zermatt und Saas-Fee bekannt. Darüber
verblasst leider die nähere Umgebung von Visp etwas. Wer sich jedoch
die Zeit nimmt, diese Gegend zu erkunden, entdeckt neben den geschwungenen
Brettern neue und reizvolle Möglichkeiten, sich im Gebirge zu bewegen.
Im kleinen Bergdorf Embd, hoch am rechten Hang oberhalb Stalden am Eingang
des Matter-Tales gelegen und "Besitzer" der höchsten Kirche
im Wallis, hat sich vor einigen Jahren ein mutiger Außenseiter niedergelassen.
Daniel Wismer(35), in seinem früheren Leben unter anderem DJ und
"freischaffender Weltreisender", hat in Tibet die Liebe zum
Yak entdeckt. Das Yak ist ein Hochlandrind mit der Beweglichkeit des Pferdes
und zeichnet sich durch Anspruchslosigkeit, Zähigkeit und Intelligenz
aus. Als Daniel Wismer ohne Bankenhilfe und gegen die skeptischen Stimmen
der Bevölkerung die ersten Yaks erwarb und auf seinem abgelegenen
Hof oberhalb von Embd unterbrachte, gab ihm kaum jemand länger als
ein Jahr. Heute ist sein Yak-Bestand auf 28 Tiere gewachsen, zum großen
Teil durch eigene Züchtung, und er hat bereits einige Tiere verkaufen
können.
Wenn er als "Aussteiger" bezeichnet wird, lacht Daniel Wismer
nur und macht seinem Gegenüber schnell klar, dass er als nüchtern
rechnender Geschäftsmann hier eine neue Geschäftsidee sieht
und dass er seinen Kunden gute Leistungen für ihr Geld bieten möchte.
Trotz seiner Liebe zu Tibet und dessen Tieren sieht er sich nicht als
fernöstlicher Guru, wenn auch bisweilen Gäste dieser Couleur
an seine Tür klopfen und sich ihm anschließen wollen.
Daniel Wismer bietet Bergwanderern das besondere Erlebnis einer Trekking-Tour
mit Yaks an. Dabei dienen die Tiere zum Transport von Gepäck und
Lebensmitteln für die ein- bis zweitägigen Touren, die auf schmalen,
gewundenen Trampelpfad durch das wildromantische, zerklüftete Gebiet
des Hausberges führen.
Da die Yaks recht eigenwillig sein können, hat sich Daniel Wismer
den Sherpa Chimey aus Nepal kommen lassen, der dort selbst eine größere
Herde besitzt und die Tiere seit seiner Kindheit kennt. Mit beruhigenden,
melodischen Pfeiftönen und gelegentlichen Warnrufen in seiner Heimatsprache
redet er ununterbrochen zu den Tieren und dirigiert sie so durch das unwegsame
Gelände. Von Zeit zu Zeit müssen er und Daniel Wismer jedoch
auch einmal ins Unterholz sprinten, um einen Ausbrecher zurück auf
den Pfad der Tugend zu führen.
Der Hof von Daniel Wismer wurde Ende des 18.Jahrhunderts gebaut und strahlt
die Behaglichkeit aus, die frühere Generationen als Not empfunden
haben. Eine enge Küche mit ursprünglichem Rauchabzug, der auch
vorzüglich als Heizung wirkt, im Laufe der Jahrhunderte braungebeiztes
Holz und kleine Fenster vermitteln ein Ambiente, das gerade im Zusammenhang
mit dem ausgefallenen Yak-Betrieb noch einiges Potential im wachsenden
Markt des "weichen" Tourismus bietet. Sein Koch Fred und seine
beiden Helferinnen stehen ihm beim stetigen Ausbau seines Geschäfts
zur Seite und unterstützen ihn auch bei seinen Kämpfen mit dem
Amtsschimmel, wenn es zum Beispiel um die weithin sichtbare Ausschmückung
der nahen Felswände geht.
Daniel Wismer bietet das Yak-Trekking für 50 SF pro Tag und Tier
sowie weitere 50 SF pro Führer und Tag an. Die Unterkunft in seinem
rustikalen Massenlager mit moderner Küche kostet 20 SF mit und 25
SF ohne (eigenen) Schlafsack, Frühstück 5 SF und Mittag- oder
Abendessen 10 SF. Wer für wenig Geld ein seltenes Naturerlebnis und
eine zünftige Übernachtung erleben möchte, sollte schnell
zuschlagen, denn das Interesse ist groß.
Tel. und Fax: 0041 (0)27 952 14 22.
... und weiter mit dem Mountain-Bike
Da sich die Ankündigung eines touristischen Yak-Rittes als Marketing-"Ente"
herausstellte - die Yaks sind viel zu eigenwillig und die Gebirgspfade
viel zu eng(und oft geht es links moder rechts steil abwärts!) -
, suchen wir uns noch eine Alternative für den Ausritt. Dazu geht
es erst auf die Moosalp, ein Sattel auf etwa 2000 Metern Höhe, der
im Winter Skitouristen anzieht. Auf dem Weg dorthin halten wir nochm kurz
in Törbel, einem der ältesten Bergdörfer im Wallis, das
durch seine original Waliser Häuser mit ihrem verschachtelten Baustiel
und dem typischen schwarzen Holz besticht. An diesem Ort sind die architektonischen
Sünden der sechziger Jahre bis auf die neue Kirche vorbeigegangen,
der Geldstrom des Tourismus natürlich auch.
Auf der Moosalp steigen wir auf Mountain-Bikes und stürzen und mit
der typischen Naivität des Flachländers in die Abfahrt nach
Visp. Julian, unser jugendlicher Führer und selbst Walliser Meister
im Cross-Country-Fahren, führt uns unvermittelt auf die sommerlich
grüne Skipiste mit Buckeln und Querrinnen. Dem Stadt-Radfahrer schwant
nichts Gutes, aber man beißt die Zähne zusammen und stürzt
sich ins bucklige Gelände. Wer sich zuweit nach vorne lehnt, kann
beim plötzlichen Bremsen vor einem Loch auch kopfüber absteigen
- wie im richtigen Leben. Langsam jedoch lernen die Augen das Gelände
kennen und die Fahrt über Stock und Stein wird als weniger angstvoll
empfunden, auch wenn Julian längst um die nächste Kurve entschwunden
ist.
Die Abfahrt nach Visp über Zeneggen und Stalden zieht sich über
25 Kilometer und 1400 Höhenmeter hin. Für ungeübte Mountain-Biker
bedeutet dies Dauerbremsen und höchste Konzentration, denn der Weg
führt permanent und gnadenlos bergab, gespickt mit Dutzenden von
Haarnadel-Kurven. Auch ein Sturz an einem unvermuteten Steilstück
ist nicht auszuschließen, und dabei dankt man für Handschuhe
und Helm...
Die letzten Kilometer führen uns an der Vispe entlang, die sich
in Stalden aus ihren beiden Tochterflüssen gebildet hat und nun Hals
über Kopf der Rhone zueilt. Ein nur noch leicht geneigter Fahrradweg
belohnt uns für die anstrengende aber einmalige "Downhill"-Tour
von der Moosalp und lässt uns einer heißen Dusche und dem Abendessen
entgegenträumen .
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