| Vielleicht wittern sie in ihm den Wolf."
Ebenfalls wenig Begeisterung weckt man vor allem bei Muttertieren, wenn
man sich einem Kalb nähert oder es gar streicheln möchte. "Wichtig
ist der tägliche Umgang mit den Tieren, der im Laufe der Zeit wesentlich
einfacher wurde. Die Herde ist deutlich homogener, der Weidewechsel wird
immer einfacher. Die Yaks sind auch viel zahmer geworden. Früher musst
ich die Tiere treiben, heute reicht es, wenn ich sie rufe." Und tatsächlich,
die Tiere nähern sich auf sein Rufen hin und geniessen ein Kraulen
hinter den Ohren durchaus.
Das Yak
Das Yak weist eine hohe Anpassungsfähigkeit auf und lebt bis in die
extremen Höhen von 6500 m. Yaks halten Aussentemperaturen bis -50
°C problemlos aus. Dabei wirkt das dicke Haarkleid mit der langen
Bauchbehaarung wie ein thermostabiler Schlafsack. Das Yak ist sehr beweglich.
Weibliche Tiere werden ca. 250 kg schwer, männliche bringen es bis
zu 600 kg. Mit ihrem leichten Körpergewicht verursachen sie wenig
Trittschäden. Sie sind sehr berggängig und er-reichen auch abgelegene
Futterplätze (saubere und effiziente Ausnützung von Bergweiden.
Yaks sind sehr genügsam, so fressen 4 Yaks gerade mal so viel wie
eine Kuh. Auch was die Futterqualität betrifft, sind sie absolut
nicht wählerisch.

Nutzbarkeit
Das Yak kann sehr vielseitig genutzt werden. Als Landschaftspfleger, vor
allem im Berggebiet, eignet es sich hervor-ragend. Das sehr magere Fleisch
findet in Gourmetkreisen grossen Anklang. Aber auch die Drimilch (Dri
= Yakkuh) wird sehr ge-schätzt und Yakkäse ist eine wahre Gaumenfreude.
Das lange Haar kann zu Kleidern, Seilen oder gar Zelten verarbeitet werden.
Da das Yak, wie bereits erwähnt, ein sehr extensives Tier ist, fallen
diese Produkte in geringen Mengen an und die Preise sind auch dementsprechend
hoch.
Betrieb
Der nicht erschlossene Berghof Roti Flüo liegt auf 1650 m ü.
M. (Bergzone 4) im Mattertal, Kanton Wallis. Zurzeit be-wirtschaftet Daniel
31 ha (davon 6 ha Eigen-land) nach den biologischen Richtlinien. Empfangen
werden die Besucher von einer sympathischen, bunt gemischten "Crew":
einem tibetischen Hirtenhund, 6 Pfauen, 2 Perlhühner, Japanischen
Seidenhühnern, 10 Hühnern sowie einer Kuh. 44 Yaks be-weiden
die kargen Flächen bis auf eine Höhe von 2000 m ü. M. Daniel
bewirtschaftet den Betrieb weitgehend allein. "Von Zeit zu Zeit ein
hartes Stück Arbeit", meint der innovative Zuger. Doch dass
das sein Leben ist, sieht man ihm an. Gut gelaunt zeigt er uns sein neu
umgebautes Gästehaus, das er auf Anmeldung jederzeit vermietet. "Hier
standen mir Kollegen und Fachleute aus dem Dorf zur Seite." Und was
daraus geworden ist, kann sich sehen lassen. Eine moderne, geräumige
Küche lädt zum Schmausen ein, in der gemütlichen Stube
fehlen selbst Fernseher und Video nicht. Die Dusche ist geräumig,
hell und der Schlafraum bietet komfortable Betten für 21 Personen.

Trekking
5 kastrierte Trekkingtiere stehen für Interessierte bereit. Ausgebildet
wurden diese Tiere von einem Sherpa, der eigens für einige Monate
ins Wallis kam.
Zur Zeit ist Daniel der einzige Yak-Trekking-Anbieter Europas. "Es
war ein hartes Stück Arbeit, doch es hat sich gelohnt", stolz
lächelt der junge Mann, ganz versunken in Erinnerungen.
Die Gäste können zwischen ein und mehr-tägigen Touren wählen.
Als Führer amten Einheimische sowie Sherpas. So können die Parallelen
der beiden Bergvölker erläutert und den Gästen näher
gebracht werden.
Versorgt werden die Feriengäste direkt aus dem eigenen Garten. "Ich
bin ein richtiger Gärtner geworden", erzählt Daniel und
zeigt uns den vielseitigen Garten, der sich sehen lassen kann. Bei schlechtem
Wetter steht den Besuchern eine umfangreiche Video und Bibliothek mit
den Hauptthemen Tibet/Wallis Himalaya/Alpen zur Verfügung. Zudem
wird die Roti Flüo als "Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit"
für Seminare, Kadertreffen und Meetings angepriesen.
Roti Flüo-Ideen
In Planung ist ein Hima-laya-Lehrpfad mit verschiedenen Stationen, der
den Besuchern die Himalayischen Flora und Fauna näher bringen soll.
"Ich möchte jedoch auch kulturelle und religiöse Bauten
nachstellen", sinniert Daniel. Erste Pläne hat er auch schon
im Kopf oder auf Papier. "Bereits geplant habe ich eine tibetische
Felsenmalerei", sagt's und zeigt auf den mächtigen Felsen oberhalb
des Gästehauses. "Ihr werdet es nicht glauben, aber dafür
brauche ich zuerst eine Baubewilligung." Auch ein Kräuterlehrpfad
schwebt Daniel vor. Nicht vergessen gehen dabei aber auch andere Gaumenfreuden.
Im vergangenen Jahr baute Daniel erstmals eine alte tibetische Gerstensorte
an. "Daraus braue ich das tibetische Bier "Yak-Attack",
das ich den Gästen anbieten möchte." Auch Roggen steht
auf den Feldern von Roti Flüo. Daraus entsteht das alpeigene Roggenbrot,
das in einem grossen Holzbackofen ausgebacken wird. Die Yaks können
gar "gemietet" werden: Zum Schafweiden putzen. Ideen hat der
vor Engergie strotzende Alpbauer noch viele auf Lager.
Das Yak
Das Asiatische Hochgebirgsrind wird wegen seinem ständigen Grunzen
oft auch Grunzochse genannt. Es gehört zur Familie der Rinder.
Gemäss alten Überlieferungen und Felsen-malereien, stammt das
heutige Hausyak vom Wildyak ab. Es ist in der Jungsteinzeit (3000 bis
1800 v. Chr.) domestiziert worden. Die Heimat des Yaks sind die Nordhänge
des Himalayas.
Lediglich 15000 Wildyaks haben im Rückzugsgebiet Changtang (Nordwesttibet)
und in Osttibet überlebt. In diesen Gebieten herrscht ein striktes
Tötungsverbot. Weltweit gibt es heute ca. 15 Mio. domestizierte Yaks,
wo-von rund 12 Mio. im Tibet gehalten werden.
Verhalten
Da die Tiere aus Tierparks stammen, sind sie wilder und weniger an den
Menschen gewöhnt als unsere Kühe. Yaks haben ihren eigenen Kopf.
Sie sind meist friedlich, können aber in bestimmten Situationen durchaus
aggressiv werden. Und dann gilt es, sich vor den gewaltigen Hörnern
in Acht zu nehmen. "Hunde mögen sie zum Beispiel gar nicht",
gibt Daniel Auskunft.
Und Yaks sind ganz klar die Zukunft von Dani. "Yaks sind dort eingesetzt,
wo Milch-kühe keinen Zugang mehr haben, z. B. auf unwegsamen Geländen,
auf kargen Futterflächen, von unschätzbarem Wert", ist
er überzeugt. Man fühlt sich sofort wohl in der bunten tibetischen
Welt auf Roti Flüo. Und das wird noch manchem Gast so gehen. Lassen
auch Sie sich einmal von der exotischen Ausstrahlung verführen und
geniessen Sie einige Tage bei Daniel Wismer.
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