01.01.2001

ufa revue

Yaks im Wallis
EIN STUCK TIBET im Wallis lässt die Herzen von Tibetfreunden höher schlagen. Auf 1650 m ü. M. hat Daniel Wismer eine kleine exotische Welt geschaffen. Auf den Alpwiesen weiden Yaks und rund um den Hof tummeln sich Pfauen, Perl- und Seidenhühner.

Eng windet sich der Weg in die Höhe Richtung Alp Roti Flüo. Plötzlich tauchen rechts hinter einer Hecke zwei dunkle behornte Köpfe auf: Yaks! Aufmerksam verfolgen die zwei Augenpaare die Neuankömmlinge. Schon mancher Wanderer wird wohl an dieser Stelle fasziniert einen Halt eingeschoben haben, um die herrlichen Tiere in aller Ruhe bestaunen zu können.

"1986 war ich unterwegs in der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Bei einem Zwischenhalt erblickte ich eine riesige Yakherde", erzählt Daniel Wismer mit glänzenden Augen. "Die archaische Ausstrahlung, die ihnen die zottigen, langen Haare und ihre mächtigen Hörner verliehen, zog mich in ihren Bann." Und diesem Bann konnte er sich nicht mehr entziehen. Die aus dem Himalaya stammenden Grunzochsen liessen ihm keine Ruhe mehr. 1994 kaufte Daniel Wismer die Alp Roti Flüo oberhalb Embd (VS) und im Frühjahr 1995 war es dann so weit: Daniel importierte das erste Yak-Pärchen aus einem Tierpark in Deutschland.

Vielleicht wittern sie in ihm den Wolf." Ebenfalls wenig Begeisterung weckt man vor allem bei Muttertieren, wenn man sich einem Kalb nähert oder es gar streicheln möchte. "Wichtig ist der tägliche Umgang mit den Tieren, der im Laufe der Zeit wesentlich einfacher wurde. Die Herde ist deutlich homogener, der Weidewechsel wird immer einfacher. Die Yaks sind auch viel zahmer geworden. Früher musst ich die Tiere treiben, heute reicht es, wenn ich sie rufe." Und tatsächlich, die Tiere nähern sich auf sein Rufen hin und geniessen ein Kraulen hinter den Ohren durchaus.

Das Yak
Das Yak weist eine hohe Anpassungsfähigkeit auf und lebt bis in die extremen Höhen von 6500 m. Yaks halten Aussentemperaturen bis -50 °C problemlos aus. Dabei wirkt das dicke Haarkleid mit der langen Bauchbehaarung wie ein thermostabiler Schlafsack. Das Yak ist sehr beweglich. Weibliche Tiere werden ca. 250 kg schwer, männliche bringen es bis zu 600 kg. Mit ihrem leichten Körpergewicht verursachen sie wenig Trittschäden. Sie sind sehr berggängig und er-reichen auch abgelegene Futterplätze (saubere und effiziente Ausnützung von Bergweiden. Yaks sind sehr genügsam, so fressen 4 Yaks gerade mal so viel wie eine Kuh. Auch was die Futterqualität betrifft, sind sie absolut nicht wählerisch.


Nutzbarkeit
Das Yak kann sehr vielseitig genutzt werden. Als Landschaftspfleger, vor allem im Berggebiet, eignet es sich hervor-ragend. Das sehr magere Fleisch findet in Gourmetkreisen grossen Anklang. Aber auch die Drimilch (Dri = Yakkuh) wird sehr ge-schätzt und Yakkäse ist eine wahre Gaumenfreude. Das lange Haar kann zu Kleidern, Seilen oder gar Zelten verarbeitet werden. Da das Yak, wie bereits erwähnt, ein sehr extensives Tier ist, fallen diese Produkte in geringen Mengen an und die Preise sind auch dementsprechend hoch.


Betrieb
Der nicht erschlossene Berghof Roti Flüo liegt auf 1650 m ü. M. (Bergzone 4) im Mattertal, Kanton Wallis. Zurzeit be-wirtschaftet Daniel 31 ha (davon 6 ha Eigen-land) nach den biologischen Richtlinien. Empfangen werden die Besucher von einer sympathischen, bunt gemischten "Crew": einem tibetischen Hirtenhund, 6 Pfauen, 2 Perlhühner, Japanischen Seidenhühnern, 10 Hühnern sowie einer Kuh. 44 Yaks be-weiden die kargen Flächen bis auf eine Höhe von 2000 m ü. M. Daniel bewirtschaftet den Betrieb weitgehend allein. "Von Zeit zu Zeit ein hartes Stück Arbeit", meint der innovative Zuger. Doch dass das sein Leben ist, sieht man ihm an. Gut gelaunt zeigt er uns sein neu umgebautes Gästehaus, das er auf Anmeldung jederzeit vermietet. "Hier standen mir Kollegen und Fachleute aus dem Dorf zur Seite." Und was daraus geworden ist, kann sich sehen lassen. Eine moderne, geräumige Küche lädt zum Schmausen ein, in der gemütlichen Stube fehlen selbst Fernseher und Video nicht. Die Dusche ist geräumig, hell und der Schlafraum bietet komfortable Betten für 21 Personen.

Trekking
5 kastrierte Trekkingtiere stehen für Interessierte bereit. Ausgebildet wurden diese Tiere von einem Sherpa, der eigens für einige Monate ins Wallis kam.
Zur Zeit ist Daniel der einzige Yak-Trekking-Anbieter Europas. "Es war ein hartes Stück Arbeit, doch es hat sich gelohnt", stolz lächelt der junge Mann, ganz versunken in Erinnerungen.
Die Gäste können zwischen ein und mehr-tägigen Touren wählen. Als Führer amten Einheimische sowie Sherpas. So können die Parallelen der beiden Bergvölker erläutert und den Gästen näher gebracht werden.
Versorgt werden die Feriengäste direkt aus dem eigenen Garten. "Ich bin ein richtiger Gärtner geworden", erzählt Daniel und zeigt uns den vielseitigen Garten, der sich sehen lassen kann. Bei schlechtem Wetter steht den Besuchern eine umfangreiche Video und Bibliothek mit den Hauptthemen Tibet/Wallis Himalaya/Alpen zur Verfügung. Zudem wird die Roti Flüo als "Ort der Ruhe und Abgeschiedenheit" für Seminare, Kadertreffen und Meetings angepriesen.

Roti Flüo-Ideen
In Planung ist ein Hima-laya-Lehrpfad mit verschiedenen Stationen, der den Besuchern die Himalayischen Flora und Fauna näher bringen soll. "Ich möchte jedoch auch kulturelle und religiöse Bauten nachstellen", sinniert Daniel. Erste Pläne hat er auch schon im Kopf oder auf Papier. "Bereits geplant habe ich eine tibetische Felsenmalerei", sagt's und zeigt auf den mächtigen Felsen oberhalb des Gästehauses. "Ihr werdet es nicht glauben, aber dafür brauche ich zuerst eine Baubewilligung." Auch ein Kräuterlehrpfad schwebt Daniel vor. Nicht vergessen gehen dabei aber auch andere Gaumenfreuden. Im vergangenen Jahr baute Daniel erstmals eine alte tibetische Gerstensorte an. "Daraus braue ich das tibetische Bier "Yak-Attack", das ich den Gästen anbieten möchte." Auch Roggen steht auf den Feldern von Roti Flüo. Daraus entsteht das alpeigene Roggenbrot, das in einem grossen Holzbackofen ausgebacken wird. Die Yaks können gar "gemietet" werden: Zum Schafweiden putzen. Ideen hat der vor Engergie strotzende Alpbauer noch viele auf Lager.

Das Yak
Das Asiatische Hochgebirgsrind wird wegen seinem ständigen Grunzen oft auch Grunzochse genannt. Es gehört zur Familie der Rinder.
Gemäss alten Überlieferungen und Felsen-malereien, stammt das heutige Hausyak vom Wildyak ab. Es ist in der Jungsteinzeit (3000 bis 1800 v. Chr.) domestiziert worden. Die Heimat des Yaks sind die Nordhänge des Himalayas.
Lediglich 15000 Wildyaks haben im Rückzugsgebiet Changtang (Nordwesttibet) und in Osttibet überlebt. In diesen Gebieten herrscht ein striktes Tötungsverbot. Weltweit gibt es heute ca. 15 Mio. domestizierte Yaks, wo-von rund 12 Mio. im Tibet gehalten werden.

Verhalten
Da die Tiere aus Tierparks stammen, sind sie wilder und weniger an den Menschen gewöhnt als unsere Kühe. Yaks haben ihren eigenen Kopf. Sie sind meist friedlich, können aber in bestimmten Situationen durchaus aggressiv werden. Und dann gilt es, sich vor den gewaltigen Hörnern in Acht zu nehmen. "Hunde mögen sie zum Beispiel gar nicht", gibt Daniel Auskunft.


Und Yaks sind ganz klar die Zukunft von Dani. "Yaks sind dort eingesetzt, wo Milch-kühe keinen Zugang mehr haben, z. B. auf unwegsamen Geländen, auf kargen Futterflächen, von unschätzbarem Wert", ist er überzeugt. Man fühlt sich sofort wohl in der bunten tibetischen Welt auf Roti Flüo. Und das wird noch manchem Gast so gehen. Lassen auch Sie sich einmal von der exotischen Ausstrahlung verführen und geniessen Sie einige Tage bei Daniel Wismer.