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Daniel Wismer, weshalb wurdest Du YakBauer auf einer Schweizer Alp?
Thomas Diethelm unterhielt sich mit dem 34jährigen Ex Weltenbummler
Daniel Wismer aus dem Zugerland, der seit 1993 auf einer abgelegenen Alp
hoch über dem Zermattertal als YakZüchter lebt.
Kaum 30 Kilometer vom Matterhorn stehen hier 33 langhaarige Yaks auf
deiner Alp. Wie bist du bloss auf die Idee gekommen, tibetische Hochlandrinder
statt Schweizer Kühe auf diese steilen Magenwiesen zu stellen?
Das war eine Eingebung. Ich sah die ersten Yaks auf einer Reise von Golmud
nach Lhasa. Die Viecher kamen einfach gut rein. Mir war sofort klar: Die
gehören auch auf die Schweizer Berge.
Eingebung", das hört sich etwas wirr an.
Ich kann's nicht anders erklären. Es war irgendwie vorgemerkt in
mir.

Du glaubst also wirklich: Die Schweiz braucht dringend Yaks.
Unbedingt! Sie sind viel leichter und deshalb landschaftsschonender als
unsere Kühe. Zudem sind Yaks wintertauglich: nicht mal ein halber
Meter Neuschnee kann ihnen was anhaben.
Ist ja toll! Dafür sind sie unglaublich störrisch, liefern
bloss winzige Mengen fettiger Milch und vom Fleisch weiss man nichts Genaues
ausser, dass es etwas "wildelet".
Die Milch brauchen wir ja gar nicht!
Glaubst du wirklich, die Schweizer würden auf YakFleisch warten?
Das Bedürfnis muss natürlich erst geschaffen werden. Und dann
müsste man mal eine chemische Analyse machen. Auf jeden Fall ist
es sehr fettarm. Yaks kommen ohne Kraftfutter und Antibiotika aus.
Braucht's für unsere Landschaftspflege wirklich tibetische Hochlandrinder?
Unsere Viecher sind versaut. Sie sind viel zu schwer für unsere steilen
Berggebiete. Das führt zu Trittschäden.
Wieso muss unsere Landschaft überhaupt gepflegt werden?
Das dient der Erhaltung unserer Pflanzenvielfalt. Ohne Landschaftspflege
verkrautet alles. Zudem wird so auch das Lawinenrisiko gemindert: Schnee
auf langem, flachgedrücktem Gras findet keinen Halt.
Halten dich die Walliser Bergbauern nicht für einen Wahnsinnigen?
Nicht nur die Bergbauern. Ist mir aber egal.
Wie haben diese konservativen Bergler reagiert, als du mit dem ersten
Yak eingefahren bist?
Sie schüttelten die Köpfe und meinten, die würden ja weder
Milch noch Fleisch liefern. Ich spürte da anfänglich schon einige
Ablehnung. Ist ja auch verständlich! Da kommt so ein "Grüezi"
zu ihnen hinauf und bringt erst noch irgendwelche exotischen Langhaarviecher
mit ...

Hattest du einen schweren Einstand?
Eigentlich nicht. Sie sahen bald, dass Yaks auch ihr Gutes haben. Die
Walliser Bauern legen grosses Gewicht auf einen gepflegten Hof und saubere
Weiden. Und meine Viecher putzen die Weiden halt besser als Kühe.
Zudem bestand wohl anfänglich auch die Befürchtung, die fremden
Tiere könnten Krankheiten einschleppen.
Du wagst doch nicht öffentlich zu behaupten, unsere hehren Schweizer
Kühe würden das Gras weniger sauber abfressen, als deine zottigen
HimalayaRinder? Du rüttelst an Schweizer Grundwerten!
Natürlich sind Yaks viel besser, vor allem wenn Weiden schon etwas
vergandet sind. Unsere Simmentaler Kühe fressen doch kein hartes,
dorniges Gestrüpp. Die Yaks räumen da sauber ab.
Besitzen Yaks noch weitere Vorteile?
Klar! Weil sie immer draussen sind, braucht man keine Güllenkästen.
Yaks bestehen nicht auf künstliche Besamung und Klauenpflege. Und
ihr Mist muss nicht verarbeitet werden. Yaks wissen nicht mal, was Kraftfutter
ist. Alles in allem sind sie billiger im Unterhalt als Kühe, und
bereiten einem auch viel weniger Arbeit. Auf meiner beschränkten
Fläche könnte ich vielleicht zwei, drei Kühe haben. Hätte
ich ebensoviele Kühe wie Yaks, müsste ich 45 Tonnen Heu haben.
Das ist hier oben völlig unmöglich. Eine Kuh frisst 4 bis 5
mal mehr als ein Yak.
Woher hast du sie eigentlich?
Ein Händler kaufte sie für mich von deutschen Wildgehegen und
Zoos.
Du siehst die Zahl der Yaks in den Schweizer Bergregionen nun stetig
zunehmen?
Zweifellos! Es sind die effizientesten Landschaftspfleger. Mit dem Abbau
der Subventionen wird das Interesse an Yaks steigen. Die Zeit arbeitet für
mich.
Gibt's eigentlich auch Subventionen für deine Exoten?
Yaks gelten offiziell als "Grossvieheinheit". Sie gehören
damit in die gleiche Kategorie wie grosse Kühe. Ich bin hier in der
Bergzone 4 und damit in der höchsten Subventionsstufe.
Klingt gut. Und damit tritt die fettige Milch, das zähe Fleisch,
ja selbst die effiziente Landschaftspflege natürlich vollends in
den Hintergrund.
Natürlich, für mich ist alles andere Beigemüse. Ich kriege
hier gut 40000 Franken Direktzahlungen im Jahr.
Wenn nun einer ein paar Känguruhs auf der Bettmeralp oder eine
Herde Giraffen auf dem Rigi am Leben erhalten könnte, was würde
da wohl subventionsmässig drinliegen?
Nichts.

Ist aber unfair!
Irgendwo mussten sie halt eine Grenze ziehen. Und Yaks fressen nun halt
mal Gras und sind deshalb von landschaftspflegerischem Nutzen. Für
Känguruhs trifft das wohl nur sehr bedingt zu.
Wie bist du aufgewachsen?
Mein Vater war Bähnler, die Mutter Hausfrau, und ich spielte da im
Zugerland am Bach unten und baute Hütten. Meine Eltern starben, als
ich 14 Jahre alt war. Danach lebte ich alleine mit meinem älteren
Bruder. Wir hatten allerdings Verwandte, die uns unterstützten, und
ich hatte einen sehr guten Vormund in der Gemeinde unten.
Schule?
Fürchterlich! Horror!
Und dann?
Ich habe einfach gelebt. Ich machte eine dreijährige Forstwart-Lehre.
Dann kam die leidige Geschichte mit der RS. Heute würde ich den Knast
vorziehen. Nicht mal eine ordentliche NahkampfAusbildung gab's, und den
Umgang mit Flammenwerfern haben wir auch nie trainiert.
Mit anderen Worten: Die wirklich praktischen Dinge im Alltag wurden sträflich
vernachlässigt.
Genau! Einzig Sprengen lernten wir. Aber im Ernst: Ein blöder huere
Chindergarte! Reine Gehirnwäsche!
Und nachher?
Dann habe ich privatisiert. Ich bin gerne spazierengegangen vor allem entlang
der Reuss. Ich habe viel gelesen und gemalt. Ich konnte mir das leisten,
weil ich von den Elten etwas Geld geerbt hatte. Und dann war der erste WK
angesagt. Das lag klar nicht mehr drin. Da bin ich halt mit einem Freund
ins Ausland. 1986/87 waren wir 13 Monate lang unterwegs: auf dem Landweg
nach Indien inklusive Tibet und Nepal. Dann flogen wir nach Thailand und
auf die Philippinen.Dort trennten wir uns nach 8 Monaten. Ich reiste weiter
via Indonesien nach Australien. Da wurde ich dann krank. Irgend ein PolypenZeugs.
Nach einem Vierteljahr Kuraufenthalt in der Schweiz ging's aber wieder los:
Agypten, Sudan, dann wieder Agypten, und diesmal mit dem Velo von Assuan
nach Kairo. Dann nahm ich s'Radl im Flugzeug in den Jemen. Dort nochmals
eine Velotour. Dann habe ich das Ding verschenkt und bin wieder nach Pakistan
geflogen. In Nepal erwischte es mich auf 3000 Meter Höhe mit der Gelbsucht.
Da musste ich halt wieder heim.
Tibet hat bis jetzt in deinem kurzen Reiseschrieb kaum Erwähnung
gefunden. Das erstaunt. Schliesslich umgibst du dich hier nicht nur mit
Yaks, sondern auch mit Gebetsfahnen und weiterem buddhistischem Zubehör.
Tibet ist mir schon am intensivsten eingefahren. Ich machte aber auch
handfeste übersinnliche Erfahrungen: Einmal war ich morgens schlecht
drauf, dann ging ich mit ein paar Leuten um einen Tempel rum und war darauf
gleich wieder voll dabei. Das hat mich richtig aufgeladen! Da kam etwas
rüber und zwar so, wie ich das noch in keiner Kirche erlebt hatte.
Da begann mich das halt zu interessieren. Später lernte ich dann
auch in der Schweiz lebende Tibeter kennen.
Eingebung bei den Yaks, übersinnliche Erfahrung beim TempelUmgang:
Warst du auf spiritueller Suche?
Ja, ja, auf jeden Fall!

Und wonach hast du gesucht?
Gute Frage. Erstmal wollte ich einfach weg. Weg von der hiesigen Bürokratie
und der MilitärKacke. Ich hatte mich früher schon mit den Indianern
Nordamerikas befasst, und unterwegs hatte ich den Koran im Gepäck.
Mich interessierte so Zeugs halt, und ich wollte etwas tiefer gehen. Die
erste Reise war vor allem eine spirituelle Suche.
Und in Tibet bist du also fündig geworden?
Sagen wir's mal so: Ich kam ein Stück weiter, wurde aber nicht wirklich
fündig. Vielleicht nehmen wir hier das ganze religiöse Zeugs
ein bisschen zu ernst. Man muss das locker angehen.
Bist du als Junger Rucksackreisender auf dem Dach der Welt vielleicht
auch einem jugendlichen Romantizismus zum Opfer gefallen?
Anfänglich sicher. Diese Suche nach dem Paradies, dem Shangrila,
dem Reinen: Das steckt doch in uns allen.
Über deinem Bett lächelt der Dalai Lama. Ist das noch ein
Überbleibsel von dieser romantischen SinnSuche?
Für mich ist der tibetische Buddhismus ein möglicher Weg. Aber
ich bin auch für andere Wege offen. Eigentlich bin ich überzeugt,
dass es für den reinen Glauben weder Kirchen noch Tempel, weder Kreuze
noch Gebetsfahnen braucht. Aber mir gefällt das Zeug einfach. Es
gibt mir ein gutes Feeling.
Glaubst du an die Reinkarnation?
Ja klar! Mehr als das: Ich weiss um die Reinkarnation.
Und wo bist du in deinem früheren Leben rumgestiefelt?
Also irgendwie ist es ja schon nicht ganz normal, dass ich mich mit diesen
Viechern und Fahnen umgebe. Ich bin überzeugt, dass ich im letzten
Leben ein Tibeter war. Und dass ich in der Schweiz wiedergeboren wurde,
hat auch einen Sinn.

Der da ist?
Yaks auf die Alpen zu stellen und spirituelle Werte zu verbreiten. Aber
dieser TibetTrip geht dann vielleicht auch mal zu Ende. Dann lasse ich
die Gebetsfahnen und vielleicht sogar die Yaks zurück. Ich war mal
auf dem Weg, Buddhist zu werden. Aber es fiel mir beispielsweise einfach
schwer, eine Gottheit anzurufen, die mir fremd ist. Ich konnte sie bloss
mit dem Verstand wahrnehmen, aber nicht mit dem Herzen. Und gerade das
wäre entscheidend.
Deine Alp ist von einem buddhistischen Würdenträger eingesegnet
worden. Damals schien dir das noch sehr ernst zu sein.
Ich musste das tun. Nenn' es eine Vision, einen Auftrag oder was auch
immer.
Ein Auftrag?
Ja, das war einfach in mir drinnen. Da hiess es einfach: Du sollst das
so machen. Und dann mache ich das halt.
Diese ganzen religiösen Geschichten, stimmen die auch im Rückblick
noch für dich?
Ja, eigentlich schon. Früher hatte ich auch mal Moslem werden wollen.
Aber da passte mir der Umgang mit den Frauen nicht. Im Islam, im Christentum
und wohl auch im Buddhismus gibt's riesige Unterschiede zwischen Theorie
und Praxis, zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Und da hast du dich als Konsequenz von den institutionalisierten Religionen
Iosgesagt?
Im Geiste schon. Auf dem Papier bin ich nach wie vor katholisch.
Und warum bist du da nicht konsequent?
In unserem Kulturkreis gehört die Kirche halt schon noch dazu. Es
wäre wohl schlimmer, wenn's gar keine Kirche mehr gäbe. Es gibt
da ja auch gute Kräfte, wie zum Beispiel unser Dorfpfarrer hier.
Der war sofort einverstanden, als ich ihn bot, mit einem buddhistischen
Mönch meine Alp einzusegnen.
Du bist vor rund zehn Jahren einen Monat lang in Tibet gewesen, und
dieser kurze Aufenthalt hat dein Leben bis heute nachhaltig beeinflusst
Hast du eigentlich keine Lust, wieder mal zurückzukehren?
Momentan habe ich keinen Bock, überhaupt von hier fortzugehen. Meine
Umstände lassen das auch gar nicht zu. Zudem fühle ich mich
wohl hier oben.
Wie bist du eigentlich auf der Suche nach deinem Kleintibet gerade
am Fusse des "Horu" gelandet?
Klar war, dass es irgendwo in den Bergen sein musste. In der "Tierwelt"
hat es jeweils solche Anzeigen.
Das ist eine Zeitschrift, nehme ich an.
Ja, da werden in den Kleinanzeigen Tiere, Waffen, Güllenpumpen und
Bauernhöfe zum Kauf angeboten. Einige Alpen habe ich mir darauf angesehen,
aber da machte nichts wirklich Sinn.
Woran hat's gefehlt?
Schwer zu beschreiben. Es klickte einfach nicht. Sowas muss Liebe auf
den ersten Blick sein. Das muss man spüren. 1993 war dann dieses
Bergheimet im Mattertal ausgeschrieben. Für mich war gleich beim
ersten Blick alles klar: Das und nur das konnte es sein.
Und was gab den Ausschlag?
Ich hatte ziemlich klare Vorstellungen: Einen Wald musste es haben, eine
Felswand und eine gute Aussicht. Und abgelegen musste es sein. Das alles
kommt hier optimal zusammen.
Und was hat dein Bergheimet gekostet?
180 000 Franken. Das Geld hatte ich vom Verkauf der geerbten Wohnung.
Karma halt.
Beschreib dein Refugium mal!
Das Heimet heisst Roti Flüe, Roter Fels also. Ich bin hier rund eine
halbe Fuss-Stunde oberhalb der Gemeinde Embd. Gegenüber liegt Grächen.
Ich habe hier drei Häuser und zwei Ställe. Mir selber gehören
6 Hektaren, weitere 14 habe ich dazugepachtet. Alles in allem sitze ich
also auf rund 20 Hektaren.
Du bist ein schlechtrasierter langhaariger Unterländer mit YakAnhang
und nicht durchwegs konventionellen Ansichten. Das muss in diesem bäuerlich-konservativen
Milieu gelegentlich zu Friktionen führen.
Nun, eigentlich nicht. Alltagsprobleme gibt's kaum. Ich kann's gut mit
den Leuten im Dorf. Die Walliser legen viel Wert auf ihre Unabhängigkeit.
Das geht mir auch nicht anders. Und auch die Yaks und die Gebetsfahnen
haben sie längst akzeptiert. Zudem kommen wegen mir ständig
Besucher ins Dorf und auch die Medien haben schon über meine YakHaltung
berichtet. Vielleicht war dem einen oder andern zu Beginn die Sache nicht
ganz geheuer. Mittlerweile wissen sie aber, worum's hier geht.
Du lebst seit vier Jahren allein auf der Alp. Wie kriegst du das mit
deinem Hormonhaushalt in den Griff?
Tja, ich bin auch nicht immer allein. Gelegentlich gibt's hier schon Besucherinnen.
Nur Bestand hatte bisher noch nichts. Es ist doch einfach so: Je höher
der Hormonstand, desto tiefer die Messlatte.
Und die wollen wir hier natürlich nicht zu tief anlegen. Wie
sieht dein Anforderungsprofil aus?
Das lässt sich jetzt nicht so auf die Schnelle beantworten.
Auf jeden Fall muss sie gut mit Yaks umgehen können.
Will sie bleiben, dann sicher. Vor allem muss sie eine erotische Ausstrahlung
haben. Sonst läuft bei mir gar nichts.
Vitale Aussteiger? Typen wie du sind doch hoch im Kurs. Woran liegt's
also?
Erst mal: Ich bin kein Aussteiger. Ich bin mit zwei Ordnern hier oben
eingezogen, mittlerweile stehen zwanzig im Regal. Das Bild täuscht:
Rindviecher, schöner Garten, rumhängen... Die Wirklichkeit sieht
aber anders aus: Ich arbeite hier in der Regel 7 Tage die Woche. Aussteiger
und Aussteigerinnen halten da nicht lange mit.
Erschwert wird die Brautschau wohl auch durch die isolierte Lage und
den bescheidenen Wohnkomfort: ein Plumpsklo, wo man im Winter mit Sicherheit
den Arsch abfriert, nix warmes Wasser und zudem Holzfeuerung. Da haben
die meisten Frauen halt doch deutlich andere Vorstellungen. Sicher. Einen
Sommer lang geht das ja noch, vielleicht auch einen Winter. Aber auf die
Dauer fährt dieses einfache Leben den Frauen halt schon nicht so
gut ein. Ich hatte zwar auch schon ernsthafte Interessentinnen. Da war
ich's dann aber, der die Notbremse zog.
Jetzt willst du radikal neue Wege beschreiten: Du lässt über
einen tibetischen Bekannten eine Tibeterin einfliegen, eine Frau, die
du nur von einer Foto her "kennst"... und dies zwecks baldiger
Heirat. Ein beträchtliches Risiko und eine grosse Verantwortung!
Aber auch tierisch spannend! Das hat sich halt einfach so ergeben. Wieder
Karma. Ich bin natürlich gewaltig gespannt, was daraus wird. Gerade
weil es ein so extremes Risiko ist. Aber wenn's haut, wird's super. Eigentlich
bin ich doch recht zuversichtlich.
Woher nimmst du diese Zuversicht? Ihr kommt aus völlig verschiedenen
Kulturkreisen. Zudem werden sprachliche Barrieren zu überwinden sein.
Und dieser ganze Assimilationsprozess soll in der Isolation einer nur
zu Fuss erreichbaren Alp stattfinden. In der Tat ein extremer Schritt!
Stimmt alles! Und trotzdem...
Mit einer dir unbekannten Schweizerin würdest du ein solches
Risiko wohl kaum eingehen wollen. Warum dann mit einer Tibeterin?
Das gibt schöne Kinder. Im Ernst: Das gibt wunderschöne Kinder.
Und das ist ausschlaggebend für dich?
Nein, schon nicht. Aber ich hatte seit jeher den Wunsch, eine Tibeterin
oder eine Indianerin zu heiraten.
Mir scheint, du hast da ein leicht verklärtes Bild.
Nein, überhaupt nicht. Das hatte ich einfach plötzlich in mir.
Ich wittere WinnetouRomantik: stolze edle Menschen mit pechschwarzem
Haar, Lagerfeuer... Eher pubertäre Vorstellungen, nicht?
Da unterstellst du mir etwas! Ich verwahre mich gegen den Ausdruck "pubertär",
jetzt, wo ich schon mindestens zwei Jahre die Pubertät hinter mir
habe... Nein, ich lasse meinen Visionen halt einfach Raum. Ich lasse diese
Aufträge einfach laufen. Erst habe ich mich hier oben niedergelassen.
Dann die Yaks. Mein tibetischer Hund. Und nun diese Frau. Ich bin nie
den einfachen Weg gegangen. Sonst sässe ich nun mit ein paar braunen
Chüeli im Tal unten mit einem einfachen Bauernmeitli an meiner Seite.
Käse, Anken, Milch... und fertig. Genau das aber reicht mir nicht.
Da fehlt mir die mystische Dimension.
Und dann nahm er sich eine tibetische Frau und zeugte viele schöne
Kinder...
Das sehen wir dann.
Schon vier Jahre lang führst du hier einen Männerhaushalt
...
...und das erfolgreich!
... und machst hier auf Einsiedler
Was heisst hier "machst"? Ich war's! Ich bin's immer noch!
.. und die Nummer hat sich jetzt totgelaufen.
Quatsch! Wenn sie jetzt nicht käme, dann lebte ich weiter so. Ich
füge mich dem Schicksal, wie auch immer.
Und wenn's mit der Tibeterin nicht gut kommt, was dann?
Dann kriege ich wohl weiterhin gelegentlich Besuch...
Ist eine Familie zu haben dein festes Ziel?
Nein, ich nehm's wie's kommt. Allah ist gross!
Wie sieht eigentlich dein Alptag aus?
Ich stehe um 7 Uhr auf, füttere Pfauen und Fasanen und lass die Hühner
raus. Dann folgt Papierkram, ich flicke Zäune und bessere die Häuser
aus. Das hängt ganz von der Jahreszeit und vom Wetter ab. Und von
meiner Stimmung: Wenn's zu schön ist, schmeisse ich den ganzen Bettel
hin und geh' wandern.
Und wenn's kalt ist und regnet?
Dann mache ich wieder mal Ordnung im Haus, oder ich mache in der Werkstatt
rum. Oder ich lese was.
Du arbeitest überdurchschnittlich, verdienst unterdurchschnittlich
und hast wenig von dem, was wir Unterländer Komfort nennen. Hast
du nicht gelegentlich die Schnauze voll?
Nein! Hier oben bin ich Chef und Meister. Das ist mir viel wert. Bloss
die SteuerBrüder und AHV-Vögte ärgern mich.
Aber die Subventions-Geister sind willkommen?
Sicher. Aber nur solange, bis ich den Hof abbezahlt habe. Mein Ziel ist
es, ganz ohne Subventionen auszukommen.
Das scheint mir in Anbetracht der noch stark entwicklungsbedürftigen
Nachfrage nach YakMilch und YakFleisch eher unwahrscheinlich. Wie willst
du dieses Ziel erreichen?
Mit dem Verkauf von Yaks an andere Bauern. Mit Tourismus. Und mit anderen
Projekten, die ich noch im Armel habe.
Tourismus?
Ich möchte hier oben einen Treffpunkt für Tibet und Himalaya-Freunde
schaffen. Zur Zeit stelle ich ein Haus mit Unterkünften, Küche
und mit einer Tibetstube fertig. Insgesamt werde ich 21 Betten haben.
Dann werde ich Yak-Treks organisieren, die von einem Tibeter oder einem
Sherpa zusammen mit einem lokalen Führer geleitet werden sollen.
5 bis 10 Leute werden dann jeweils mit ein paar Yaks ein oder mehrere
Tage lang durch die Walliser Bergwelt ziehen.
Und wo kann man YakTreks und Unterkunft auf der Roten Flüe buchen?
Bei mir:
Wismer Daniel
Roti Flüe
3926 Embd
Telefon 027 952 74 22
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