04.08.1999

Fachsimpelei, wenn sich drei ETH-Professoren mit einem Yakzüchter treffen ....

Bald stolzer Vater, verheiratet mit einer Eringerkuh?

Embd. - Auf der Rotfluh oberhalb von Embd züchtet Daniel Wismer seit über fünf Jahren Yaks. Gerne würde er nun diese Tierrasse mit Eringerkühen kreuzen. Am vergangenen Freitag diskutierte er mit drei Professoren der ETH Zürich über Sinn und Unsinn dieses Vorhabens.



Für den Laien sehen Yaks wie Schottische Hochlandrinder aus, sie stammen jedoch aus dem zentralasiatischen Gebirgsraum; sie sind genügsam, bisher traten bei ihnen keine BSE-Fälle auf und sie weisen ein ausgesprochenes Urverhalten auf. Der Yakzüchter Daniel Wismer möchte nun diese Tiere in einem wissenschaftlich begleiteten Versuch mit Eringerkühen kreuzen.
Die heilige Kuh
"Fürs Wallis" so meint Wismer, "ist die Eringerkuh sehr wichtig." Bei seinem Vorhaben geht es dem 35-jährigen gebürtigen Zuger keineswegs darum, "möglichst viel Yakblut in die Eringerbestände zu mischen", wie er sagt. Jedoch müssen neue Formen der Alpbewirtschaftung diskutiert und ernsthaft in Betracht gezogen werden. Falls es zu einem Züchtungsversuch dieser neuen Tierrasse komme, würde dieser sehr klein angelegt. Selbstverständlich müssen nach wie vor sowohl die Eringerrasse als auch die Yaks im ursprünglichen Typ erhalten bleiben.
Nutzen muss ersichtlich sein
Für die drei Professoren ist klar: Mit der Kreuzung muss ein bestimmtes Zuchtziel verfolgt werden. Es mache in der Schweiz bestimmt keinen Sinn, die Milchleistung steigern zu wollen. Auch der Wunsch nach Publizität allein rechtfertige den Eingriff nicht. Jedoch ist man sich einig, dass die konventionelle Alpbewirtschaftung zunehmend unattraktiver wird. Und Yaks sind für den alpinen Raum wie geschaffen: Sie sind genügsame Fresser und gute "Rasenmäher", trittsicher und stark. Auch Eringerkühe sind gut an alpines Gelände angepasst. Mit einem Kreuzungsprodukt aus diesen beiden Tierarten, so argumentiert Wismer, fände man vielleicht den optimalen Alpbewohner.

Viele offene Fragen
Der Züchtungsbiologe Professor Doktor Gerald Stranzinger ist gegenüber dem Experiment skeptisch: Viele Unbekannte gebe es dabei, und das Zuchtergebnis sei nur in den Grundzügen voraussehbar. So wisse man nicht, wie umgänglich die neue Tierart sein würde. Da sowohl der Yak als auch die Eringerkuh ausgesprochene Urtiere sind, könnten die Nachkommen aggressiv sein. Die Tiere wären vielleicht grosswüchsiger und richten dadurch Landschäden an. Die männlichen Nachkommen seien mit grosser Wahrscheinlichkeit steril, erzählt Professor Doktor Schulthess, der zwölf Jahre in der Yakheimat Nepal verbracht hat.
Kreuzungsprodukte in Nepal
Im zentralasiatischen Raum, so erzählt Schulthess, werden seit Jahren erfolgreich Kreuzungsprodukte zwischen Yaks und Kühen gezüchtet. Er selbst ist dem Kreuzungsversuch gegenüber sehr positiv eingestellt. Meist sei das Muttertier eine Kuh, der Stier hingegen ein Yak. Die Nachkommen tendieren jeweils eher zur Mutter hin. Die in diesem Raum verwendete Kuhart Zebu, so Professor Doktor Frei, sei jedoch viel friedfertiger als Eringerkühe.

Neue Tierrasse in Embd?
Die Verhältnisse im zentralasiatischen Raum unterscheiden sich stark von denjenigen im Wallis. In der Urheimat der Yaks sind die Tiere beinahe lebensnotwendig für viele Menschen, hier hält man sie meist aus Freude an der Sache oder aus einem Spleen heraus. Die Vegetation und damit die Ernährung der Tiere ist verschieden, es gibt wenige Informationen über Yakhaltung im Mitteleuropäischen Raum. Daniel Wismer ist einer der wenigen Yakexperten in der Schweiz. Er ist optimistisch, was das Kreuzungsprodukt betrifft.
Befragt, was sie von solchen Mischehen halten würden, gaben die Yaks leider keine Stellunggsnahme ab.