|
Fachsimpelei, wenn sich drei ETH-Professoren mit einem Yakzüchter
treffen ....
Bald stolzer Vater, verheiratet mit einer Eringerkuh?
Embd. - Auf der Rotfluh oberhalb von Embd züchtet Daniel Wismer seit
über fünf Jahren Yaks. Gerne würde er nun diese Tierrasse
mit Eringerkühen kreuzen. Am vergangenen Freitag diskutierte er mit
drei Professoren der ETH Zürich über Sinn und Unsinn dieses
Vorhabens.

Für den Laien sehen Yaks wie Schottische Hochlandrinder aus, sie
stammen jedoch aus dem zentralasiatischen Gebirgsraum; sie sind genügsam,
bisher traten bei ihnen keine BSE-Fälle auf und sie weisen ein ausgesprochenes
Urverhalten auf. Der Yakzüchter Daniel Wismer möchte nun diese
Tiere in einem wissenschaftlich begleiteten Versuch mit Eringerkühen
kreuzen.
Die heilige Kuh
"Fürs Wallis" so meint Wismer, "ist die Eringerkuh
sehr wichtig." Bei seinem Vorhaben geht es dem 35-jährigen gebürtigen
Zuger keineswegs darum, "möglichst viel Yakblut in die Eringerbestände
zu mischen", wie er sagt. Jedoch müssen neue Formen der Alpbewirtschaftung
diskutiert und ernsthaft in Betracht gezogen werden. Falls es zu einem
Züchtungsversuch dieser neuen Tierrasse komme, würde dieser
sehr klein angelegt. Selbstverständlich müssen nach wie vor
sowohl die Eringerrasse als auch die Yaks im ursprünglichen Typ erhalten
bleiben.
Nutzen muss ersichtlich sein
Für die drei Professoren ist klar: Mit der Kreuzung muss ein bestimmtes
Zuchtziel verfolgt werden. Es mache in der Schweiz bestimmt keinen Sinn,
die Milchleistung steigern zu wollen. Auch der Wunsch nach Publizität
allein rechtfertige den Eingriff nicht. Jedoch ist man sich einig, dass
die konventionelle Alpbewirtschaftung zunehmend unattraktiver wird. Und
Yaks sind für den alpinen Raum wie geschaffen: Sie sind genügsame
Fresser und gute "Rasenmäher", trittsicher und stark. Auch
Eringerkühe sind gut an alpines Gelände angepasst. Mit einem
Kreuzungsprodukt aus diesen beiden Tierarten, so argumentiert Wismer,
fände man vielleicht den optimalen Alpbewohner.
Viele offene Fragen
Der Züchtungsbiologe Professor Doktor Gerald Stranzinger ist gegenüber
dem Experiment skeptisch: Viele Unbekannte gebe es dabei, und das Zuchtergebnis
sei nur in den Grundzügen voraussehbar. So wisse man nicht, wie umgänglich
die neue Tierart sein würde. Da sowohl der Yak als auch die Eringerkuh
ausgesprochene Urtiere sind, könnten die Nachkommen aggressiv sein.
Die Tiere wären vielleicht grosswüchsiger und richten dadurch
Landschäden an. Die männlichen Nachkommen seien mit grosser
Wahrscheinlichkeit steril, erzählt Professor Doktor Schulthess, der
zwölf Jahre in der Yakheimat Nepal verbracht hat.
Kreuzungsprodukte in Nepal
Im zentralasiatischen Raum, so erzählt Schulthess, werden seit Jahren
erfolgreich Kreuzungsprodukte zwischen Yaks und Kühen gezüchtet.
Er selbst ist dem Kreuzungsversuch gegenüber sehr positiv eingestellt.
Meist sei das Muttertier eine Kuh, der Stier hingegen ein Yak. Die Nachkommen
tendieren jeweils eher zur Mutter hin. Die in diesem Raum verwendete Kuhart
Zebu, so Professor Doktor Frei, sei jedoch viel friedfertiger als Eringerkühe.
Neue Tierrasse in Embd?
Die Verhältnisse im zentralasiatischen Raum unterscheiden sich stark
von denjenigen im Wallis. In der Urheimat der Yaks sind die Tiere beinahe
lebensnotwendig für viele Menschen, hier hält man sie meist
aus Freude an der Sache oder aus einem Spleen heraus. Die Vegetation und
damit die Ernährung der Tiere ist verschieden, es gibt wenige Informationen
über Yakhaltung im Mitteleuropäischen Raum. Daniel Wismer ist
einer der wenigen Yakexperten in der Schweiz. Er ist optimistisch, was
das Kreuzungsprodukt betrifft.
Befragt, was sie von solchen Mischehen halten würden, gaben die Yaks
leider keine Stellunggsnahme ab.
|