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Immer wieder rempeln sich die Tiere gegenseitig an und lassen die Eisenstangen
erzittern: "Ruhig, ruhig", ermahnt sie ein Mann, der sein langes
Haar zu einem Ross-schwanz zusammengebunden hat. Daniel Wismer ist der
Besitzer der sechs Tiere und zurzeit an der AgriMesse zu Gast.
Zwischen Hund und Esel
"Die Tiere sind unberechenbar", erzählt der Züchter,
während er über die Abschrankung klettert und sich zu den Yaks
gesellt. "Einmal sind sie folgsam wie ein Hund, ein ander-mal störrisch
wie ein Esel, und manchmal auch äusserst aggres-siv". Sagts
und streichelt einem besonders imposanten Ochsen über das dichte
Fell. "Aber irgendwie fasziniert mich der Charakter dieser Tiere
auch", fügt er an. "Weil man beim Umgang mit ihnen Taktik
an-wenden muss, aber vielleicht auch, weil ich mich seelenverwandt mit
ihnen fühle."
Daniel Wismer war nicht immer Yak-Züchter. Doch als der gelernte
Forstwart aus Zug zum ersten Mal den stolzen Hochland-rindern im Tibet
begegnete, wars um ihn geschehen: "Ich wusste damals sofort: Ich
will Yak-Züchter werden". Doch bis die geeignete Alp im Walliser
Mattertal gefunden und die Einfuhrbewilligungen erkämpft waren, sollten
noch Jahre ver-streichen. 1995 wars, als die ersten beiden Yaks mit einem
Lastwagen aus deutschen Zoos angereist kamen.
Bekannter Medienstar
Mittlerweile züchtet der 37-Jährige seit sieben Jahren Yaks
auf der "Roti Flüo" oberhalb Embd und ist durch seine diversen
Medienauftritte zum bekanntesten Exoten-Bauer der Schweiz geworden. Nicht
nur "Blick" und NZZ porträtierten den Lebens-künstler,
auch Kurt Aeschbacher und deutsche Fernsehanstalten stellten den gewieften
Berg-bauern in ihren Sendungen vor. "Irgendwie ist es mir schon etwas
komisch ein-gefahren, als ich mit meinen Tieren auf vier Hochglanz-Seiten
des Porsche-Magazins erschien", er-zählt er. "Irgendwo
zwischen einer schicken Juweliersfamilie und einem reichen Unternehmer."
Doch der Erfolg blieb nicht aus: Heute verkauft Daniel Wismer seine Tiere
an andere Züchter und vertreibt Fell, Hörner und Fleisch. Das
Yak-Fleisch, welches zu grossen Teilen ein tibetisches Restaurant in Zürich
übernimmt, gilt als Delikatesse und findet trotz des hohen Preises
- ein Kilogramm Trockenfleisch kostet 95 Franken - reissenden Absatz.
"Ich war halt immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort", rechtfertigt
Daniel Wismer seinen Erfolg: "Nicht zuletzt ist das Yak-Fleisch auch
äusserst gesund, weil es mehr Protein und weniger Fett als herkömmliches
Fleisch enthält." Ein weiteres Plus: "Noch nie ist ein
Yak an BSE er-krankt", erzählt Wismer. "Das Fleisch ist
absolut biologisch, weil die Tiere kein Kraftfutter erhalten.
"Doch Daniel Wismer lebt neben den Subventionen nicht nur von der
Zucht - mittlerweile besitzt er 45 Tiere - und seinen Spezialitäten.
Ein wichtiges Standbein, welches er aufbaut, ist der Tourismus: Bereits
jetzt hat er auf seiner Alp ein gemüt-liches Gästehaus mit Massenlager
eingerichtet und bietet Yak-Trekkings mit Übernachtungen im tibetischen
Zelt an. Künftig will er auch einen tibetischen Lehrpfad, und ein
Yak-Museum einrichten.
Kein tibetischer Guru
Daniel Wismer, das spürt man rasch, ist trotz seiner Faszination
für die tibetische Kultur mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben:
"Ich bin kein Guru, der Meditations-Seminare in einsamer Wildnis
an-bietet", macht er, der genauso gerne "Ramstein" wie
tibetische Hirten-gesänge hört, von Beginn weg klar. "Wenn
man zehnmal im Tibet war, verliert man mit der Zeit die Illusion-en."
Fasziniert ist Daniel Wismer aber nach wie vor von der Offenheit der Menschen
oder deren Verbund-enheit mit der Natur , auch wenn diese Werte immer
mehr dahin-schwänden. Auch Daniel Wismer geht mit der Zeit: Über
seine eigene Homepage (www.yaks.ch) vertreibt er nicht nur sein Trockenfleisch,
sondern macht auch auf die Vorteile der Yaks aufmerksam: "Die Tiere
sind sehr genügsam und viel ein-facher zu halten als Kühe",
erzählt er. Sie brauchten keinen Stall, seien sehr anpassungsfähig
und überall dort berechtigt, wo eine intensive Nutzung nicht möglich
sei. "In zwanzig Jahren", glaubt Daniel Wismer, "gibt es
in den Schweizer Bergen mehr Yaks als Kühe."
Und die Zukunft?
Und wie sieht die Zukunft des cleveren Geschäftsmannes aus? Will
er im Mattertal bleiben oder weiter expandieren? "Ein ABB-Manager,
welcher kürzlich bei mir zu Gast war, riet mir, auszubauen, 400 Yaks
zu betreuen und das Fleisch an einen Grossverteiler mit Bio-Label abzusetzen",
erzählt er. "Doch ich weiss nicht, ob ich das überhaupt
will. Dann wäre ich ja nur noch Manager", sinniert er. Zurzeit
sei er aber effektiv in einer Zwick-mühle: "Mein Betrieb ist
zu klein, als dass ich Leute fest anstellen könnte, aber zu gross,
als dass ich all die anfallende Arbeiten selber erledigen kann".
Eigentlich hätte er genug Arbeit mit 15 Tieren, "doch ich brauche
im Leben eine Heraus-forderung", fügt er an. "Andere Leute
klettern auf einen Achttausender."
DER YAK
Auch der Kot wird genutzt
Ein Grossteil der weltweit 15 Millionen Yaks lebt heute in China und in
der Mongolei auf Weiden bis zu 6000 Metern Höhe. Dank ihrer dicken
Lederhaut können die Tiere tägliche Temperaturdifferenzen von
bis zu 50 Grad aushalten. Nicht nur Fleisch und Leder, sondern auch der
Kot der Tiere wird ge-nutzt: Yakfladen besitzen einen grossen Brennwert.
Aus deren Russ bereiten die Mönche Tinte zu.
ANDERE TIERE
Schangnauer Büffel zu Gast
Im Rahmen der Sonderausstellung "Die Kuh und ihre nahen Ver-wandten"
können derzeit an der AgriMesse Thun auch Büffel aus Schangnau
besichtigt werden. Deren Milch wird zu verschiedenen Spezialitäten
wie Büffel-Mozzarella verarbeitet, welche an der Messe auch angeboten
werden. In Schagnau halten zuzeit sieben Bauern insgesamt 46 Milchbüffel.
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