"Ich fühle mich den Yaks verwandt"


16.02.2001

Barbara Schluchter-Donski

Im Tibet sah er sie zum ersten Mal, seither ist er nicht mehr von ihnen losgekommen: Der Zuger Daniel Wismer züchtet im Wallis Yak-Rinder. Zurzeit ist er mit sechs Tieren an der Thuner AgriMesse zu Gast.

Unter den langen, zottigen Haaren lugen zwei braune, zutrauliche Augen hervor. Wären da nicht die Furcht einflössenden Hörner, man würde das grosse, schwarze Woll-knäuel am liebsten kräftig an sich drücken. Doch die Yak-Rinder um-gibt nicht vergebens ein massives Gitter auf dem Thuner Expo-Areal.

Immer wieder rempeln sich die Tiere gegenseitig an und lassen die Eisenstangen erzittern: "Ruhig, ruhig", ermahnt sie ein Mann, der sein langes Haar zu einem Ross-schwanz zusammengebunden hat. Daniel Wismer ist der Besitzer der sechs Tiere und zurzeit an der AgriMesse zu Gast.

Zwischen Hund und Esel
"Die Tiere sind unberechenbar", erzählt der Züchter, während er über die Abschrankung klettert und sich zu den Yaks gesellt. "Einmal sind sie folgsam wie ein Hund, ein ander-mal störrisch wie ein Esel, und manchmal auch äusserst aggres-siv". Sagts und streichelt einem besonders imposanten Ochsen über das dichte Fell. "Aber irgendwie fasziniert mich der Charakter dieser Tiere auch", fügt er an. "Weil man beim Umgang mit ihnen Taktik an-wenden muss, aber vielleicht auch, weil ich mich seelenverwandt mit ihnen fühle."
Daniel Wismer war nicht immer Yak-Züchter. Doch als der gelernte Forstwart aus Zug zum ersten Mal den stolzen Hochland-rindern im Tibet begegnete, wars um ihn geschehen: "Ich wusste damals sofort: Ich will Yak-Züchter werden". Doch bis die geeignete Alp im Walliser Mattertal gefunden und die Einfuhrbewilligungen erkämpft waren, sollten noch Jahre ver-streichen. 1995 wars, als die ersten beiden Yaks mit einem Lastwagen aus deutschen Zoos angereist kamen.

Bekannter Medienstar
Mittlerweile züchtet der 37-Jährige seit sieben Jahren Yaks auf der "Roti Flüo" oberhalb Embd und ist durch seine diversen Medienauftritte zum bekanntesten Exoten-Bauer der Schweiz geworden. Nicht nur "Blick" und NZZ porträtierten den Lebens-künstler, auch Kurt Aeschbacher und deutsche Fernsehanstalten stellten den gewieften Berg-bauern in ihren Sendungen vor. "Irgendwie ist es mir schon etwas komisch ein-gefahren, als ich mit meinen Tieren auf vier Hochglanz-Seiten des Porsche-Magazins erschien", er-zählt er. "Irgendwo zwischen einer schicken Juweliersfamilie und einem reichen Unternehmer."
Doch der Erfolg blieb nicht aus: Heute verkauft Daniel Wismer seine Tiere an andere Züchter und vertreibt Fell, Hörner und Fleisch. Das Yak-Fleisch, welches zu grossen Teilen ein tibetisches Restaurant in Zürich übernimmt, gilt als Delikatesse und findet trotz des hohen Preises - ein Kilogramm Trockenfleisch kostet 95 Franken - reissenden Absatz. "Ich war halt immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort", rechtfertigt Daniel Wismer seinen Erfolg: "Nicht zuletzt ist das Yak-Fleisch auch äusserst gesund, weil es mehr Protein und weniger Fett als herkömmliches Fleisch enthält." Ein weiteres Plus: "Noch nie ist ein Yak an BSE er-krankt", erzählt Wismer. "Das Fleisch ist absolut biologisch, weil die Tiere kein Kraftfutter erhalten.
"Doch Daniel Wismer lebt neben den Subventionen nicht nur von der Zucht - mittlerweile besitzt er 45 Tiere - und seinen Spezialitäten. Ein wichtiges Standbein, welches er aufbaut, ist der Tourismus: Bereits jetzt hat er auf seiner Alp ein gemüt-liches Gästehaus mit Massenlager eingerichtet und bietet Yak-Trekkings mit Übernachtungen im tibetischen Zelt an. Künftig will er auch einen tibetischen Lehrpfad, und ein Yak-Museum einrichten.

Kein tibetischer Guru
Daniel Wismer, das spürt man rasch, ist trotz seiner Faszination für die tibetische Kultur mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben: "Ich bin kein Guru, der Meditations-Seminare in einsamer Wildnis an-bietet", macht er, der genauso gerne "Ramstein" wie tibetische Hirten-gesänge hört, von Beginn weg klar. "Wenn man zehnmal im Tibet war, verliert man mit der Zeit die Illusion-en." Fasziniert ist Daniel Wismer aber nach wie vor von der Offenheit der Menschen oder deren Verbund-enheit mit der Natur , auch wenn diese Werte immer mehr dahin-schwänden. Auch Daniel Wismer geht mit der Zeit: Über seine eigene Homepage (www.yaks.ch) vertreibt er nicht nur sein Trockenfleisch, sondern macht auch auf die Vorteile der Yaks aufmerksam: "Die Tiere sind sehr genügsam und viel ein-facher zu halten als Kühe", erzählt er. Sie brauchten keinen Stall, seien sehr anpassungsfähig und überall dort berechtigt, wo eine intensive Nutzung nicht möglich sei. "In zwanzig Jahren", glaubt Daniel Wismer, "gibt es in den Schweizer Bergen mehr Yaks als Kühe."

Und die Zukunft?
Und wie sieht die Zukunft des cleveren Geschäftsmannes aus? Will er im Mattertal bleiben oder weiter expandieren? "Ein ABB-Manager, welcher kürzlich bei mir zu Gast war, riet mir, auszubauen, 400 Yaks zu betreuen und das Fleisch an einen Grossverteiler mit Bio-Label abzusetzen", erzählt er. "Doch ich weiss nicht, ob ich das überhaupt will. Dann wäre ich ja nur noch Manager", sinniert er. Zurzeit sei er aber effektiv in einer Zwick-mühle: "Mein Betrieb ist zu klein, als dass ich Leute fest anstellen könnte, aber zu gross, als dass ich all die anfallende Arbeiten selber erledigen kann". Eigentlich hätte er genug Arbeit mit 15 Tieren, "doch ich brauche im Leben eine Heraus-forderung", fügt er an. "Andere Leute klettern auf einen Achttausender."

DER YAK
Auch der Kot wird genutzt
Ein Grossteil der weltweit 15 Millionen Yaks lebt heute in China und in der Mongolei auf Weiden bis zu 6000 Metern Höhe. Dank ihrer dicken Lederhaut können die Tiere tägliche Temperaturdifferenzen von bis zu 50 Grad aushalten. Nicht nur Fleisch und Leder, sondern auch der Kot der Tiere wird ge-nutzt: Yakfladen besitzen einen grossen Brennwert. Aus deren Russ bereiten die Mönche Tinte zu.

ANDERE TIERE
Schangnauer Büffel zu Gast
Im Rahmen der Sonderausstellung "Die Kuh und ihre nahen Ver-wandten" können derzeit an der AgriMesse Thun auch Büffel aus Schangnau besichtigt werden. Deren Milch wird zu verschiedenen Spezialitäten wie Büffel-Mozzarella verarbeitet, welche an der Messe auch angeboten werden. In Schagnau halten zuzeit sieben Bauern insgesamt 46 Milchbüffel.