21.07.2000

Erfolgreicher Kreuzungsversuch

E m b d. In der Nacht auf Mittwoch erblickte es das Licht der Welt: Das weltweit erste «Yakinger». Es ist das Kreuzungsresultat eines tibetischen Yaks mit einer Walliser Eringerkuh. Abgespielt hat sich die sen- sationelle Geburt oberhalb Embd, auf der Yakfarm von Daniel Wismer.

Der ganze Versuch wurde im Oktober letzten Jahres gestartet. Die Kreuzung eines Yakbullen und einer Eringerkuh schwebte Daniel Wismer schon lange als Idee vor. Ähnliche Yakmischlinge, allerdings von Schweizer Milchkühen, sind bereits bekannt. Die Motivation für das ungewöhnliche Projekt sieht Daniel Wismer einerseits in der persönlichen Neu- gierde, andererseits auch in der Werbung für seine Yak- farm.

ETH Zürich zeigt reges Interesse



Bevor die Kreuzung vorgenommen wurde, bearbeitete ein Team der ETH Zürich das Vorhaben. Dem Versuch wurde grundsätzlich zugestimmt, auch wenn Bedenken über ein möglicherweise aggressives Verhalten des Tieres geäussert wurden. Die ETH Zürich wird das Projekt weiter verfolgen. Die Charaktereigenschaften werden allerdings erst nach einer gewissen Zeit zum Vorschein kommen.

Als Muttertier wurde absichtlich die Eringerkuh gewählt. Für ein weibliches Yak wäre das Kalb wohl zu gross gewesen. Die Geburt lief völlig natürlich und ohne Zwischen- fälle ab. «Eine Geburt wie aus dem Bilderbuch», beschreibt der überglückliche Daniel Wismer das Erlebte

Verhaltensentwicklung ist abzuwarten
Im Moment macht das junge «Yakinger» noch einen lieblichen Eindruck. Gierig saugt es an den Zitzen seiner Mutter. Ein beeindruckendes

Bild. Welche Eigenschaften es von den Yaks und welche von den Eringerkühen in sich trägt, ist noch schwer zu sagen. «Den schwarzen Schwanz hat es klar vom Vater, die Laute, die es von sich gibt, sind die einer Kuh», beurteilt Daniel Wismer das Neugeborene.
Noch unsicher ist, ob das «Yakinger» auch fruchtbar ist. Bei solchen Kreuzungen ist dies selten der Fall. Sollte sich der Erstling aber positiv entwickeln, wird es nicht bei der einen Aktion bleiben, versichert Daniel Wismer

Bereicherung für die Yakfarm in Embd
Die Attraktion «Yakinger» soll nun möglichst viele Neugierige zu «Yak Tsang Ling» locken. Hier, eine halbe Stunde oberhalb von Embd, hält Daniel Wismer mit zwei Gehilfen 46 Yaks. Ein Yak ist ein langhaariges Hausrind, das vor allem in den tibetischen und angrenzenden Hochländern beheimatet ist. Wild lebende Yaks gibt es kaum mehr.
Mit seinen tibetischen Yaks hat sich Daniel Wismer vor sechs Jahren in Embd niedergelassen. Inzwischen hat er die drei Häuser auf der «Roti Flüe», wie der Weiler von den Einheimischen genannt wird, umgebaut. Hier empfängt er regelmässig Touristen und Interessierte aus aller Welt. Organisiert werden auch Yak-Trekking- Touren in der Augstbordregion. Der ehemalige Forstwart und Weltenbummler lebt mit seinen Tieren das ganze Jahr über auf seiner Farm. Die Yaks ertragen Temperaturen bis zu minus 20 Grad, womit auch der frostige Winter für sie kein Problem darstellt.
Wie das «Yakinger» sich bis zu seinem ersten Winter entwickelt, bleibt abzuwarten.