22.08.1998

Tibet ? Nein, Wallis!

Erstes Yaks-Trekking ausserhalb des Himalajas geglückt

Drei Yaks, die tibetischen Hochlandrinder, erreichten Mitte August den Augstbordpass auf 2894 m.ü.M. zwischen Vispertal und Turtmanntal. Der langjährige Traum von Dani Wismer, dem Yaks-Züchter aus Embd, dem steilsten Bergdorf im Wallis, ging nach vierjähriger Arbeit in Erfüllung. Somit steht den ersten Gästen für ein Yaks-Trekking ausserhalb des Himalajas über einen Teil der Haute Route von Chamonix nach Zermatt nichts mehr im Wege.

Seit zwei Monaten trainiert der 27jährige Sherpa Jimmy Kalden aus Namche Bazar, dem letzten Dorf unter dem Mt.Everest, die Tiere des Zuger Yaks-Bauern Dani Wismer in Embd. Die exotischen Langhaarkühe sehen sehr friedlich aus, können aber störrisch wie Esel sein oder mit aller Kraft Reissaus nehmen. Ihre Hörner können dann zu gefährlichen Waffen werden.Obwohl Wismer schon mehrere Zuchterfolge mit seinen zwanzig Yaks aus europäischen Zoos aufweisen konnte, hat er für die heikle Aufgabe des Abrichtens und Bereitens den Nepal-Bauern angeheuert.
Dies macht sich schon in der ersten Stunde des Aufstiegs bezahlt. Der Bulle, Anführer der dreiköpfigen Herde, kommt in eine Haarnadelkurve und reisst aus, die beiden anderen Tiere hintennach bis zur Seilbahnstation hinunter, wo sie der Sherpa einholt. Dafür gönnt sich Sherpa Jimmy nachher einen Ritt auf dem Rücken der Lasttiere. Er pfeift dazu seinen "Yaks-Song", ein karges Lied, so karg wie der steinige letzte Abschnitt des Passübergangs, der früher als Säumerweg zwischen Sitten und Zermatt und Theodulpass nach Italien vielbegangen war. Sonst treibt der Sherpa die langhörnigen Tiere mit Lauten und Drohgebärden hinauf.

Aufstieg zum Augstbordpass in vier Stunden
Die drei Yaks schaffen den Aufstieg von Embd (1600 m, an der Strasse nach Zermatt) hinauf auf den Augstbordpass in knapp vier Stunden. Die Tiere sind sich die extreme Sommerhitze auf fast 3000 m.ü.M. nicht gewohnt und geniessen das angenehme Lüftchen, das vom Turtmanntal heraufbläst und die Passhöhe "streichelt". Bergab halten die Tiere nur noch an den glasklaren Bächen des Augstbordtales, sonst wäre der Abstieg nach Embd in zwei Stunden kaum möglich.
Die Freiluftbahn, eine alte Seilbahn zwischen Holzkabine und Sesselbahn, bringt die Gäste wieder heil von der Alp Schalb nach Embd und von dort mit der Seilbahn nach Kalpetran zum Bahnhof der BVZ-Zermatt-Bahn.

Dani Wismer trainiert noch mehr Bullen, damit er die Transportstrecke Embd-Augstbordpass-Gruben im Turtmanntal an einem Tag hinüber und anderntags retour schafft. Wismer ist somit der erste Anbieter für Hochgebirgstouren mit Yaks. Weitere Anbieter werden in den nächsten Jahren folgen. Bereits haben mehrere Trekking-Freunde Interesse an den jungen Yaks aus Wismers Zucht gezeigt, so unter anderem auch Reinhold Messner. Nicht spurlos ist die Tibet-Welle an den Medien vorübergegangen. Bei Wismers Schlafsackidylle auf 1600 m wechseln sich inzwischen die wichtigsten deutschsprachigen Fernsehstationen ab.

Am Ziel seiner Trekking-Träume: Dani Wismer zusammen mit seinem Sherpa Jimmy Kalden und den drei Yaks auf dem 2894 m hohen Augstbordpass.

Premiere ausserhalb des Himalajas: Yaks-Trekking auf den Augstbordpass (2894 m ü. M.) zwischen Turtmanntal und Vispertal im Wallis